Die Vorträge und Firmenausstellung sowie ein kleinerer Teil der Poster fanden im alten Hauptgebäude der Universität Platz.

49. DGMS-Jahrestagung in Hamburg

An der Universität Hamburg kamen über 420 MassenspektrometrikerInnen zur 49. Jahrestagung der DGMS zusammen. Vom 28. Februar bis 2. März 2016 diskutierten sie ihre Arbeit anhand von 170 Postern und 82 angemeldeten Vorträgen.

Außerdem waren rund 20 Firmen der Branche mit ihren Ständen vertreten, um aktuelle Produkte zu präsentieren. Eingefasst wurde all das durch sieben Plenarvorträge, einige Preisverleihungen und die Mitgliederversammlung der DGMS. Um den zahlreichen angemeldeten Vorträgen gerecht zu werden, wurden teils drei, teils sogar vier Parallelsessions dafür eingerichtet. In der Mittagszeit konnten die Tagungsbesucher am Montag und Dienstag je eines der insgesamt sieben Lunchseminare der MS-Anbieter besuchen.

 

Workshops

Schon am frühen Sonntagnachmittag konnten Interessierte an einem der fünf Workshops zu verschiedenen Themen teilnehmen. Mit typischerweise 20–40 Teilnehmern je Veranstaltung waren die Workshops auch wieder gut besucht. Einen besonderen Schwerpunkt bildeten 2016 die Workshops rund um die Datenverarbeitung in der MS. Außerdem wurde eine neue Fachgruppe innerhalb der DGMS ins Leben gerufen, die besonders die Belange der massenspektrometrischen Servicelabore in Industrie und Universität aufgreifen will. Im Einzelnen standen an Workshops zur Auswahl: „Spezielle Aspekte von Bioinformatik – Methoden in der MS-basierten Proteomik“ (Martin Eisenacher, Michael Kohl und Robert Ahrends), „Von Spektren zu Ergebnissen: Effiziente Analyse von massenspektrometrischen Daten mit Workflows“ (Oliver Kohlbacher), „LC-MS“ (Hartmut Schlüter und Marcel Kwiatkowski), „Gründungsworkshop der Fachgruppe Core Facilities“ (Christof Lenz) und „Prozessierung und Interpretation von massenspektrometrischen Daten mit OpenChrom“ (Philip Wenig und Andreas Klingberg).

Tagungsauftakt

Am Sonntagabend begrüßten die lokalen Tagungsorganisatoren Hartmut Schlüter (Universitäts-Klinikum Eppendorf) und Maria Riedner (Universität Hamburg) die Tagungsteilnehmer. Eröffnet wurde die Tagung dann vom DGMS-Vorsitzenden Michael Linscheid (Humboldt-Universität Berlin) und Claudia Leopold (Vizepräsidentin der Universität Hamburg) sprach ein Grußwort.

Hartmut Schlüter (Universitäts-Klinikum Eppendorf) und Maria Riedner (Universität Hamburg) begrüßen die Tagungsteilnehmer.
Hartmut Schlüter (Universitäts-Klinikum Eppendorf) und Maria Riedner (Universität Hamburg) begrüßen die Tagungsteilnehmer.

Wolfgang-Paul-Vortrag

Zum Gedenken an Wolfgang Paul, den Entwickler von linearem Quadrupol- und Quadrupol-Ionenfallen-Massenspektrometer, lädt die DGMS seit 1997 einen profilierten Forscher zum Vortrag am Vorabend der Tagung. In diesem Jahr wurde Michael Karas (Universität Frankfurt) diese Ehre zu teil. Gemeinsam mit Franz Hillenkamp hatte er Ende der 1980er Jahre die matrix-unterstützte Laserdesorption/Ionisation (MALDI) entwickelt und der MS damit einen gewaltigen Durchbruch in die Biowissenschaften ermöglicht. Grundlagen und Anwendungen von MALDI-MS weiter zu ergründen ist seither sein Forschungsgebiet, aus dem er unter dem Titel “Zur Ionenbildung bei MALDI und ESI – Über die Schönheit klarer Experimente und die Kraft einfacher Modelle“ engagiert berichtete.

Michael Karas (Frankfurt) diskutiert die Bildung einfach geladener Ionen bei MALDI und ESI im Rahmen des Wolfgang-Paul-Vortrags.
Michael Karas (Frankfurt) diskutiert die Bildung einfach geladener Ionen bei MALDI und ESI im Rahmen des Wolfgang-Paul-Vortrags.

 

Plenarvorträge

Verteilt über die dreitägige Konferenz bildeten sieben Plenarvorträge das Rückgrat des Programms. Unter dem Titel “Mapping Atomic Motions with Ultrabright Electrons: Route to Discovery of the Fundamental Limits to Biodiagnostics and Spatial Mapping with MS” zeigte R. J. Dwayne Miller (University of Toronto und MPI für Struktur und Dynamik der Materie, Hamburg) wie es gelingt, die atomaren Bewegungen während chemischer Reaktionen in Echtzeit zu verfolgen und mittels der Beugungsbilder quasi im Film festzuhalten.

Den schon im Wolfgang-Paul-Vortrag aufgegriffenen Grundlagenaspekt von MALDI vertiefte Klaus Dreisewerd (Universität Münster) mit seinem Beitrag “A collateral development: How fundamental MALDI studies can stimulate new MALDI applications”. Den Anwendungen von MALDI und ESI in den Lebenswissenschaften waren vier weitere Hauptvorträge gewidmet. So sprachen Pengyuan Yang (Fudan University, Shanghai)  über “Identification of intact glycopeptides at the proteome scale”, Rainer Bischoff (University of Groningen) zu “Quantitative Protein (Bio)analysis by Liquid Chromatography – Mass Spectrometry”, Douglas B. Kell (University of Manchester) über “The cellular uptake of pharmaceutical drugs is transporter-mediated and is thus a problem not of biophysics but of systems biology” und schließlich noch Mark Molloy (University of Sydney) “A protein-centric view of cancer to support translational medicine”.

Einen Inhalt viel grundsätzlicherer Art hatte der Vortrag “Isotopic resonance hypothesis explains life emergence on Earth and predicts no Life on Mars” von Roman Zubarev (Karolinska Institute, Stockholm). Zubarev zeigte, dass die Geschwindigkeit chemischer Reaktionen von der isotopischen Zusammensetzung der Reaktanden abhängt, allerdings nicht nur in der aus kinetischen Isotopieeffekten bekannten Weise. Vielmehr verlaufen Reaktionen dann besonders leicht, wenn unterschiedliche Isotope eines Elements beteiligt sind, also z.B. Ozon nicht rein aus 16O sondern z.B. aus 16O, 17O und 18O gebildet wird. Es lassen sich, so Zubarev, klar Maxima bei bestimmten Isotopenverhältnissen der Elemente finden, die wiederum unmittelbar die Chance auf die Entstehung von Leben erhöhen. Gurken, die er in eigens in seinem Garten dafür aufgestellten Minigewächshäusern zieht, sprechen jedenfalls augenfällig positiv auf eine leichte Erhöhung des Deuteriumgehalts im Gießwasser an.

R. J. Dwayne Miller (University of Toronto und MPI für Struktur und Dynamik der Materie, Hamburg) schaut gerne Reaktionen zu.
R. J. Dwayne Miller (University of Toronto und MPI für Struktur und Dynamik der Materie, Hamburg) schaut gerne Reaktionen zu.
Klaus Dreisewerd (Universität Münster).
Klaus Dreisewerd (Universität Münster).
Pengyuan Yang (Fudan University, Shanghai).
Pengyuan Yang (Fudan University, Shanghai).
Roman Zubarev (Karolinska Institute, Stockholm).
Roman Zubarev (Karolinska Institute, Stockholm).

 

Wolfgang-Paul-Preise

Die Wolfgang-Paul-Preise werden für Dissertationen und Masterarbeiten vergeben, die einen deutlichen Beitrag zur Entwicklung der MS leisten. Dafür stehen gestiftet von Bruker Daltonik 12.500 Euro zur Verfügung. Die mit je 5000 Euro dotierten Wolfgang-Paul-Preise für Dissertationen gingen an Nadja Heine (Doktorarbeit „Vibrational spectroscopy of gaseous hydrogen-bonded clusters: on the role of isomer-specifity and anharmonicity“ bei Gerard J. M. Meijer und Knut R. Asmis, beide Fritz-Haber-Institut Berlin) und an Dhaka Ram Bhandari (Doktorarbeit „Mass spectrometry imaging of crop plants, medicinal plants and insects“ bei Bernhard Spengler, Universität Gießen). Außerdem erhielt Oliver Bolle für seine Masterarbeit “Quantitative bio-imaging of platinum via online isotopic dilution-laser ablation inductively-coupled plasma-mass spectrometry (ID-LA-ICP-MS)” bei Uwe Karst (Universität Münster) einen Preis. Die Dissertationspreisträger hielten im Anschluss an die Preisverleihung je einen Kurzvortrag, die Masterarbeit wurde auf einem Poster vorgestellt.

Die Wolfgang-Paul-Preise sind verliehen. Den Preisträgern gratulierten Simon Lauter im Namen der Stifterfirma Bruker Daltonik und der Jury-Vorsitzende Michael Mormann (Universität Münster) ganz herzlich. Von links stehen der Jury-Vorsitzende Michael Mormann, die drei Preisträger Oliver Bolle, Nadja Heine und Dhaka Ram Bhandari sowie der DGMS-Vorsitzende Michael Linscheid und Simon Lauter.
Die Wolfgang-Paul-Preise sind verliehen. Den Preisträgern gratulierten Simon Lauter im Namen der Stifterfirma Bruker Daltonik und der Jury-Vorsitzende Michael Mormann (Universität Münster) ganz herzlich. Von links stehen der Jury-Vorsitzende Michael Mormann, die drei Preisträger Oliver Bolle, Nadja Heine und Dhaka Ram Bhandari sowie der DGMS-Vorsitzende Michael Linscheid und Simon Lauter.

Agilent Research Summer

Der Agilent Research Summer ermöglicht Doktoranden Geräte zu nutzen, die ihre Arbeit voranbringen könnten, jedoch an der eigenen Universität dafür nicht zur Verfügung stehen. Dafür finanziert Agilent einen etwa zweimonatigen Aufenthalt in den Applikationslaboren in Waldbronn. In Vertretung des Jury-Vorsitzenden Mario Thevis (Deutsche Sporthochschule Köln) überreichte Jury-Mitglied Wolfgang Schrader (MPI für Kohleforschung, Mühlheim) die Urkunde an den diesjährigen Preisträger, Oliver Hachmöller (Universität Münster), dessen Projekt „Quantitative Analyse von Cerulosplasmin (CER) anhand natürlich enthaltener Schwefelatome mittels LC-ICP-MS und Bestimmung der Verteilung von Schwefel und Phosphor in humanen Morbus Wilson-Leberproben“ unter den Bewerbern besonders positiv bewertet wurde.

Als Preisträger 2015 stellte Sascha Lege (Universität Tübingen) am darauf folgenden Vormittag die Ergebnisse seiner Arbeit “Evaluating 2D-LC and ion mobility separation in combination with high-resolution mass spectrometry for non target screening approaches” vor, die er im vergangenen Sommer in Waldbronn betrieben hatte.

Von links stehen Jury-Mitglied Wolfgang Schrader, Oliver Hachmöller, der Preisträger 2016, DGMS-Vorsitzender Michael Linscheid und Alexander Rácz (Agilent, Waldbronn).
Von links stehen Jury-Mitglied Wolfgang Schrader, Oliver Hachmöller, der Preisträger 2016, DGMS-Vorsitzender Michael Linscheid und Alexander Rácz (Agilent, Waldbronn).

Mattauch-Herzog-Förderpreis

Der Mattauch-Herzog-Förderpreis wird von der DGMS an Wissenschaftler unter 40 Jahren vergeben, die mit eigenen Arbeiten markante Beiträge zur Entwicklung der Massenspektrometrie leisten. Der Mattauch-Herzog-Förderpreis ist mit 12500 € dotiert, die von Thermo Fisher Scientific zur Verfügung gestellt werden. Kevin Pagel (FU Berlin und Fritz-Haber Institut Berlin) erhielt die hohe Auszeichnung für seine Arbeiten, die er anschließend in seinem Vortrag „Charakterisierung von Oligosaccharid und Glykopeptid-Isomeren mittels Ionenmobilitäts-Massenspektrometrie“ darstellte.

Von links stehen nach der Verleihung des Mattauch-Herzog-Förderpreises Michael Linscheid, Preisträger Kevin Pagel und Thomas Moehring (Thermo Fisher Scientific).
Von links stehen nach der Verleihung des Mattauch-Herzog-Förderpreises Michael Linscheid, Preisträger Kevin Pagel und Thomas Moehring (Thermo Fisher Scientific).

 

Preis für Massenspektrometrie in den Biowissenschaften

Kontrastierend zu den übrigen Preisen der DGMS ist der „Preis für Massenspektrometrie in den Biowissenschaften“ ein Vorschlagspreis. Damit ausgezeichnet wurde Marcus Bantscheff (Cellzome AG Heidelberg). Der von Waters diesjährig zum letzten Mal mit 5000 Euro dotierte Preis wurde Bantscheff für seine Arbeiten zur Auswirkung von Pharmaka auf das Proteom verliehen, die er in seinem anschließenden Vortrag „Drug action in the context of the proteome“ präsentierte. Der Jury-Vorsitzende Wolf-Dieter Lehmann (DKFZ Heidelberg) überreichte Urkunde und Scheck gemeinsam mit Gunnar Weibchen (Waters).

Verleihung des Preises für Massenspektrometrie in den Biowissenschaften. Von links stehen Wolf-Dieter Lehmann (Jury), Gunnar Weibchen (Waters), Marcus Bantscheff und Michael Linscheid.
Verleihung des Preises für Massenspektrometrie in den Biowissenschaften. Von links stehen Wolf-Dieter Lehmann (Jury), Gunnar Weibchen (Waters), Marcus Bantscheff und Michael Linscheid.

 

Abendgestaltung

Der Montagabend wurde mit der Postersession, die auf das Alte Hauptgebäude der Universität und den neuen Westflügel aufgeteilt war, gestaltet. Dank Cocktails und anderen Getränken wurden die Teilnehmer zu Verbleib und Diskussion an den zahlreichen Postern angeregt.

Natürlich gibt es keine echte Konferenz ohne ein Konferenz-Dinner. Das Hamburger Rathaus ist weithin als ein Wahrzeichen der Hansestadt bekannt; wohl weniger bekannt ist, dass sich in den Kellergewölben unter den politischen Lasten des Stadtstaats ein großes Restaurant befindet. Dort traf man sich am Dienstagabend zum Konferenz-Dinner in gesellig-wissenschaftlicher Atmosphäre.

Abendliche Poster Session; hier im neuen Westflügel des Gebäudes.
Abendliche Poster Session; hier im neuen Westflügel des Gebäudes.
Die Vorträge und Firmenausstellung sowie ein kleinerer Teil der Poster fanden im alten Hauptgebäude der Universität Platz.
Die Vorträge und Firmenausstellung sowie ein kleinerer Teil der Poster fanden im alten Hauptgebäude der Universität Platz.
In den mächtigen Gewölbekellern unter dem Hamburger Rathaus fand das Konferenz-Dinner im „Parlament“ statt.
In den mächtigen Gewölbekellern unter dem Hamburger Rathaus fand das Konferenz-Dinner im „Parlament“ statt.

Posterpreise

Posterpreise wurden in diesem Jahr gleich zweifach ausgelobt. Zum einen vom Springer-Verlag für Analytical and Bioanalytical Chemistry (ABC), zum  anderen von JEOL Germany. Eine  eigens dafür eingesetzte Jury hatte während der Tagung die gelungensten Posterbeiträge ausgewählt. Wolf-Dieter Lehmann überreichte die ABC-Preise an die Autoren Annegret Laub (P125), Boris Krichel (P148) und Sebastian Hagenhoff (P166). Den JEOL-Posterpreis erhielt Raissa Lerner (P66) aus den Händen von Hartmut Schlüter.

Verleihung der ABC-Posterpreise: (v. l.) Sebastian Hagenhoff, Wolf-Dieter Lehmann, Annegret Laub, Boris Krichel.
Verleihung der ABC-Posterpreise: (v. l.) Sebastian Hagenhoff, Wolf-Dieter Lehmann, Annegret Laub, Boris Krichel.
Den JEOL-Posterpreis erhielt Raissa Lerner durch Hartmut Schlüter überreicht.
Den JEOL-Posterpreis erhielt Raissa Lerner durch Hartmut Schlüter überreicht.

Grußwort des Senats

Peter Tschentscher, Senator der Stadt Hamburg, sprach ein Grußwort zum Abschluss der Tagung. Er, selbst Naturwissenschaftler mit ausgiebiger Berufserfahrung vor dem Einstieg in die Hamburger Politik, betonte den hohen Stellenwert der Wissenschaft für den Stadtstaat. Schon jetzt habe Hamburg mehr Arbeitsplätze im Sektor von Wissenschaft und forschungsintensiven Unternehmen als im Bereich des Hafens und der angeschlossenen Logistik.

Peter Tschentscher, Senator der Stadt Hamburg, bei der Verabschiedung der Tagungsteilnehmer.
Peter Tschentscher, Senator der Stadt Hamburg, bei der Verabschiedung der Tagungsteilnehmer.

50. DGMS-Tagung in Kiel

Zum großen Jubiläum ihrer Jahrestagungen wird sich die DGMS im schleswig-holsteinischen Kiel treffen. Jürgen Grotemeyer (Universität Kiel), langjähriger Vorsitzender der DGMS, lädt vom 5.–8. März 2017 zur 50. DGMS-Tagung an der Ostseeküste.

>>> Hier geht es zu großen Bildergalerie der Tagung.

Text und Bilder: Jürgen H. Gross, Universität Heidelberg

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