13th European Fourier Transform Mass Spectrometry Workshop

24. bis 27. April in Freising

Der 13th European Fourier Transform Mass Spectrometry (EFTMS) Workshop vom 24. bis 27. April 2018 in Freising wurde organisiert von einem Team um Philippe Schmitt-Kopplin (Helmholtz Zentrum München). Zu dieser Tagung kamen 135 Teilnehmer aus Europa und auch von außerhalb der EU und brachten insgesamt 48 Vorträge und 45 Poster mit. Die zeitlich einheitliche Aufteilung der Vorträge zu je 25 Minuten unterschied den EFTMS Workshop von anderen Tagungen und vermittelte eine dem Austausch sicher förderliche gleiche Wertigkeit aller wissenschaftlichen Beiträge.

Mit dem 13th EFTMS Workshop setzte sich die Reihe von kompakten Tagungen der FTMS Community fort, die im zweijährigen Abstand veranstaltet werden. Diese internationalen Treffen resultieren aus der Aktivität eines internationalen wissenschaftlichen Komitees, in dem Forscher auf dem Gebiet der Fourier-Transform-Ionencyclotronresonanz- (FT-ICR) bzw. Orbitrap-Massenspektrometrie zusammenwirken. Anders als beispielsweise die DGMS-Fachgruppe FTMS und hochauflösende Massenspektrometrie ist das EFTMS-Komitee keiner nationalen MS-Gesellschaft direkt zugeordnet, sondern besteht als Abbild einer beständigen Interessengemeinschaft.

Seit dem letzten EFTMS Workshop im süditalienischen Matera wurde der Tagung auch eine FTMS School vorangestellt, die vor allem Doktoranden und Quereinsteigern die Grundlagen der Analysatoren ebenso wie wichtige Methoden und Anwendungsfelder in sechs einstündigen Vorträgen näherbrachte.

Philippe Schmitt-Kopplin begrüßt die Teilnehmer des 13th EFTMS Workshops.
Kardinal-Döpfner-Haus auf dem Domberg über dem Zentrum Freisings.
Innenhof des Kardinal-Döpfner-Hauses. Eine angenehme Atmosphäre zum Tagen.

Die Themen der Beiträge waren weit gespannt und reichten von Entwicklungen neuer FT-ICR-Zellen über Techniken zur Ionenaktivierung und Tandem-MS allgemein bis hin zu hochspezialisierten Anwendungen. Exemplarisch werden hier ein paar der Beiträge näher beleuchtet:

Es ist eine Besonderheit der FT-ICR-MS, dass ebenso wie in der NMR-Spektroskopie zweidimensionale Experimente ausgeführt werden können. Bei der 2D-MS werden alle Vorläufer-Ionen in einer Mischung simultan für die Fragmentierung angeregt, ohne die Zuordnung der Fragmente zu den jeweiligen Vorläufer-Ionen zu verlieren. Dazu ist bei der FT-ICR-MS eine Modulation der Cyclotronfrequenz mit RF-Pulsen vor der Fragmentierung nötig. Bislang eher bei Fragestellungen aus der Proteomics eingesetzt, hält 2D-FT-ICR-MS zunehmend auch Einzug in andere Gebiete. Dem hohen Informationsgehalt der 2D-Spektren stehen aber auch lange Messzeiten und gigantische Datensätze entgegen. Daher ist 2D-FT-ICR-MS durchaus noch keine Routinetechnik und auch noch nicht kommerziell zu haben. Den aktuellen Stand der 2D-MS vertaten Peter O’Connor (University of Warwick) und  Christian Rolando (Université de Lille) in einer dedizierten Session.

Alexander Makarov (Thermo Fisher, Bremen) berichtet von Trends bei der Orbitrap
Jonathan Amster (University of Georgia) erweitert das Repertoire der Methoden zur Ionenaktivierung bei Glycosaminoglycanen.

Alan Marshall (NHMFL, Tallahassee) verfügt über eines von weltweit zwei 21 T-FT-ICR-Geräten. Damit konnten aus einem einzigen APPI-FT-ICR-Spektrum von Rohöl rund 126.000 Summenformeln zu dem Wald an Signalen zugeordnet werden. Eine derartige Datenflut erfordert aber auch spezielle Computerprogramme für die Interpretation und Darstellung der analytischen Ergebnisse.

Alan Marshall (NHMFL, Tallahassee) nutzt eines von weltweit zwei FT-ICR-Geräten mit 21 T-Magnet.

An dieser Thematik setzte die Arbeit der Gruppe von Boris Koch (Alfred-Wegener-Institut, Helmholtz-Zentrum für Polar- und Meeresforschung, Bremerhaven) an, die mit UltraMassExplorer eine neue Software zur Summenformelbestimmung, Identifizierung von Verbindungen und Visualisierung von Formelgruppen aus hochaufgelösten Massenspektren komplexer Gemische vorstellten. Noch arbeitet das Programm UltraMassExplorer noch als browser-gestützte Version. Zur Erprobung und Verwendung ist UME über die Website des Instituts für alle Forschergruppen frei zugänglich (https://www.awi.de/en/science/biosciences/ecological-chemistry/tools/ume.html).

Christian Rolando (Université de Lille) stellte  das European FT-ICR Network vor, ein europäisches Programm zur gemeinsamen Nutzung hochleistungsfähiger FT-ICR-Massenspektrometer, das zum Zeitpunkt der Tagung in den Startlöchern stand. Darin wirken zwölf Forschungsgruppen und vier Unternehmen mit ihren Geräten und ihrer Expertise auf unterschiedlichsten Gebieten zusammen. Ziel des EU-Programms ist, diese Geräte jeweils für insgesamt 25 Tage pro Jahr auch Forschern anderer Institute zugänglich zu machen. Damit soll das EU FT-ICR Network Forschern eine Umsetzung von Projekten zu ermöglichen, die sie nicht in allen Teilaspekten mit ihren eigenen Massenspektrometer bearbeiten können. Eine Website des EU FT-ICR Network wird demnächst online gehen.

Neben dem umfangreichen wissenschaftlichen Programm kam auch die Kultur nicht zu kurz. Im Freisinger Dom gab Dommusikdirektor Matthias Egger ein exklusives Konzert auf der in den 1980er Jahren restaurierten Orgel, bei dem auch das wohl bekannteste Orgelwerk, Toccata und Fuge von Johann Sebastian Bach, nicht fehlte.

Das Mittelschiff des barocken Freisinger Doms.

Zu Bayern gehören aber auch Bier, Brezn und Blasmusik. Diesem Aspekt widmete sich das Konferenz-Dinner im Brauereilokal der Staatsbrauerei Weihenstephan. Im  Gewölbekeller gab es für die Teilnehmer zum herzhaften Essen auch traditionelle bayrische Blasmusik und eine kurze Bierprobe. Es wäre aber unwissenschaftlich gewesen, einfach Bier zu trinken, ohne vorher gründlich die theoretischen Grundlagen bearbeitet zu haben. Diese hatte zuvor Patrick McGovern (University of Pennsylvania, Philadelphia) mit seinem Vortrag „Uncorking the Past: Alcoholic Beverages as the Universal Medicine before Synthetics“ gelegt. Darin besprach er die Jahrtausende lange Geschichte und Techniken des Brauens quer durch alle Kulturen und Epochen und Erdteile und beschrieb seine eigenen vielfältigen (Brau)Beiträge zur experimentellen Archäologie.

Patrick McGovern (University of Pennsylvania, Philadelphia) spricht über die Kulturgeschichte der alkoholischen Gärung.
Unter fachkundiger Anleitung des Braumeisters werden die Biere der Staatsbrauerei Weihenstephan verkostet.
Das Tagungsteam zusammen mit den Musikern beim bayrischen Abend.

Der 14th EFTMS Workshop wurde für Ende März 2020 an der Universität Lissabon angekündigt. Seitens der DGMS wird die nächste Veranstaltung für alle an FT-ICR-, Orbitrap- und allgemein (ultra)hochauflösender MS Interessierte das nächste FTMS-Fachgruppentreffen der DGMS Mitte September 2019 in Berlin sein. Details zu beiden Tagungen wird man dann im Tagungskalender hier auf der DGMS-Website finden.

Text und Bilder: Jürgen H. Gross, Universität Heidelberg

rfwbs-sliderfwbs-sliderfwbs-slide